Fit wie ein Diabetiker

In der Bundesrepublik Deutschland sind laut einer Studie des Robert Koch-Instituts über sieben Millionen Menschen an Diabetes erkrankt und geschätzte weitere zwei bis drei Millionen wissen gar nicht, dass sie an der Stoffwechselerkrankung leiden. Eine Essener und Mülheimer Aktion sagt der Zivilisationskrank- heit jetzt den Kampf an – und Experten geben Tipps, wie die „Zuckerkrankheit“ früh erkannt werden kann

Die Arbeitsgemeinschaft „Essen forscht und heilt“ hat mit bewährten Partnern die Aktion „Versteckten Diabetes frühzeitig erkennen“ ins Leben gerufen. Dabei geht es um den so genannten Typ-2-Diabetes, auch „Altersdiabetes“ genannt, zu dem über 90 Prozent aller Diabetiker gehören. „Die Betroffenen werden allerdings immer jün- ger“, weiß Dr. Ralph Achim Bierwirth, Chef- arzt und Leiter der Klinik für Diabetologie und des Diabetologischen Fußzentrums am Elisabeth-Krankenhaus Essen. Er empfiehlt einen Check ab 35 Jahren in einer der zahlreichen Diabetes-Schwerpunktpraxen an Rhein und Ruhr, um gesundheitlichen Schädigungen durch unentdeckten Diabetes vorzubeugen.

Die Aktion gegen den Diabetes wurde inspiriert von „Tausend Leben retten Ruhr“. Dabei geht es um die Darmkrebsvorsorge in Unternehmen – eine bundesweite Vorzeigekampagne. Gemeinsam mit der AOK Rheinland/Hamburg bringt die Arbeitsgemeinschaft „Essen forscht und heilt“, ein Zusammenschluss der institutionellen Gesundheitsanbieter in Essen, nunmehr die Diabetes-Früherkennung auf den Weg.

Aufruf an Unternehmen

„Wir rufen die Firmen, Kommunen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen sowie Organisationen aus der Region Essen und Mülheim/Ruhr dazu auf, ihren Mitarbeitern die Teilnahme an einer Diabetes-Früherkennungsaktion anzubieten, denn Diabetes ist vermeidbar. Präventive Maßnahmen haben neben dem gesundheitlichen auch einen volkswirtschaftlichen Aspekt, denn der Schaden durch Diabetes und seine Folgeerkrankungen ist enorm und steigt kontinuierlich an“, appeliert Winfried Book, Geschäfts- führer von Essen.Gesund.Vernetzt an die Unternehmer. Online sowie in einer Informationsbroschüre können sich die Mitarbeiter der teilnehmenden Unternehmen informieren und mit einem einfachen Gesundheits-Check erkennen, ob sie zur gefährdeten Personengruppe gehören. „Dann ist man nur noch einen kleinen Pieks weit davon entfernt, Gewissheit zu erlangen“, informiert Heinz Faure, Geschäftsführer von CARE diagnosics, die einen Test fürs Labor mit vertraulicher Auswertung zur Verfügung stellen. Die Kosten für den Test übernehmen die Arbeitgeber der an der Aktion beteiligten Unternehmen.

 Selbst aktiv werden

Prof. Dr. Stephan Martin, Direktor des West- deutschen Diabetes- und Gesundheitszent- rums Düsseldorf(WDGZ), beruhigt Betroffene: „Diabetes ist kein Schicksalsschlag. Erst unser Lebensstil mit falscher Ernährung und zu wenig Bewegung hat ihn zu einer Volkskrankheit gemacht.“ Prof. Dr. Dagmar Führer vom Universitätsklinikum Essen weist zudem darauf hin, dass die Forschung für die individuelle Therapie und Prävention von Diabetes stetige Fortschritte mache. „Jeder, der versteht, wie sein Stoffwechsel funktioniert, kann positiven Einfluss darauf nehmen“, sind die Spezialisten überzeugt.

Die gute Nachricht ist zudem: Jeder kann durch eine Änderung seines Verhaltens das Risiko, an Diabetes zu erkranken, stark reduzieren. Das bedeutet: Mehr Obst und Gemüse essen, weniger ungesunde Fette und Alkohol konsumieren. Zum gesünderen Le- ben gehört auch, das Auto öfter mal stehen zu lassen und mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs zu sein. So wird man „Fit wie ein Diabetiker“.

Aktuelle Informationen zu Vorsorge und Therapien

Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf stellt auf seiner komplett neugestalteten Webseite diabetesinfor- mationsdienst.de umfassende Informa- tionen über den Diabetes mellitus zur Verfügung. Den Fokus bilden wissen- schaftliche Fakten rund um Vorsorge und Therapie sowie Informationen zu Begleit- und Folgeerkrankungen. Das neue Diabetes-Cockpit für BMI, Blut- druck und Blutglukosewert bietet auf einen Blick eine Hilfestellung für die Einschätzung des Gesundheitszu- stands und individuellen Diabetes-Risi- kos. Qualitätsgesichert und nach neu- esten Erkenntnissen der Wissenschaft finden Patienten mit Diabetes beim Diabetesinformationsdienst Antworten auf ihre Fragen und erhalten Hinweise auf das, was im Alltag wichtig ist.